Staub, Stillstand und der Neustart am Nürnberger Hauptmarkt
Wegen der aktuellen Bauarbeiten und vieler Hindernisse gleicht der Nürnberger Hauptmarkt für Händler und Kunden derzeit eher einer antiken Ausgrabungsstätte. | Foto: © Janine Beck
Staubige Erdbeeren, blockierte Laufwege, jahrelange Baustelle: Um die Lage auf dem Nürnberger Hauptmarkt grundsätzlich zu verbessern, sind die Marktsprecher mit neuen Vorschlägen auf Wirtschaftsreferentin Andrea Heilmaier zugegangen. Ein geplanter Probelauf mit einem Standplan bis zur Königstraße, verbindlichen Kernöffnungszeiten und einem Ende des Ämter-Chaos soll den „Grünen Markt“ nun zukunftsfest machen.
Ein neuer Standplan soll das Chaos beenden
Nürnbergs gute Stube, der Hauptmarkt und ihr Vorzimmer, der Obstmarkt, gleichen eher einer antiken Ausgrabungsstätte als einem Marktplatz, auf dem Gemüse und Obst gekauft werden können. Plätze mit vielen Hindernissen. Wenn es windig ist, dann hat man schon mal Sandstaub als knirschende Beilage auf dem Gemüse oder auf den Erdbeeren. Das führt zu hohen Einbußen bei den Marktbeschickern.
Natürlich wäre es jetzt leicht, über Bauarbeiten zu mopfern, aber die Sanierung des Obstmarkts ist seit 20 Jahren überfällig und muss sein. Den ewigen Nörglern, die glauben, alles besser machen zu können, soll hier kein Platz gegeben werden. Bauarbeiten bedeuten immer Lärm und in diesem Fall auch Staub, vor allem wenn es in die Tiefe geht. Der Obstmarkt ist eine hochkomplexe Baustelle.
Doch vor allem am Hauptmarkt hakt es nicht nur bei den Bauarbeiten, sondern auch am Durcheinander der Stände. Auf der Südseite des Hauptmarkts gibt es zu viele Essstände. Im Warenangebot fehlt ein Fischstand, aber auch ein solider Metzger mit regionalen Angeboten. Der Hauptmarkt ist von der Aufstellungsstruktur her und von der Warenvielfalt leider kein Leuchtturm.
Zusätzlich sorgen die vielen Stühle und Sitzgelegenheiten für Irritationen. Allerdings werden sie sehr gut von den Besuchern und Kunden angenommen. Die Bevölkerung wird eben älter. Trotzdem: Der Hauptmarkt ist ein Durcheinander von Ständen, Bauarbeiten, Sitzgelegenheiten, mobilen Bäumen und geführten Gruppen, die keine Rücksicht auf andere nehmen.
Viele zusätzliche Sitzgelegenheiten und mobile Bäume sorgen neben dem generellen Durcheinander der Stände für Irritationen auf dem Hauptmarkt. | Foto: © Janine Beck
Wenn der Wocheneinkauf zur logistischen Kraftprobe wird
Noch dazu ist der Hauptmarkt während der jahrelangen Sanierungsarbeiten am Obstmarkt nur schwer oder gar nicht anfahrbar. Kurzzeitiges Beladen von Autos ist nicht möglich. Dabei geht es weniger um Komfort, sondern darum, dass man überhaupt die Ware transportieren kann, wenn man viel oder schwer eingekauft hat. Es werden ja nicht nur leichtgewichtige Kräuter und ein Kopfsalat gekauft, sondern auch Kartoffeln, Blumenkohl, Gurken, Rote Bete und derzeit auch Spargel. Vor allem für ältere Menschen ist die Last oft schwer.
Die drei Marktsprecher, unzufrieden mit der aktuellen Situation, gingen deshalb auf Wirtschaftsreferentin Andrea Heilmaier mit Vorschlägen zu, wie die Lage grundsätzlich verbessert werden könnte. Während der Sanierungsarbeiten soll es zu einem Probelauf der vorgeschlagenen Maßnahmen kommen.
Die Flucht nach vorn: Eine neue Markt-Achse bis zur Lorenzkirche
Im Gespräch ist derzeit ein neuer Standplan, der neben Teilen des Hauptmarkts auch die Königstraße einbezieht, und zwar dauerhaft, wenn es klappt. Bis hoch zur Lorenzkirche. Das wollen die Marktbesitzer schon lange. Im Umfeld der Lorenzkirche sind die Umsätze deutlich höher als auf dem Hauptmarkt.
Doch eine reine Verlagerung wird nicht genügen, damit die Situation attraktiver wird und wieder mehr Menschen bei den Ständen einkaufen. Die Stände sollen in der Mitte der Straßen aufgestellt werden, damit sie keine Schaufenster oder Eingänge zustellen. Auch auf optimale Laufwege der potenziellen Kunden soll künftig geachtet werden.
Darüber hinaus sind Kernöffnungszeiten für die Marktbeschicker im Gespräch und eine Optimierung der Gestaltungsrichtlinien. Es gibt sie zwar schon seit einigen Jahren. Aber nicht jeder hält sich daran und auch die Stände sollen schneller abgebaut werden, wenn sie nicht mehr benötigt werden. Das wäre ein großes Aufräumen auf dem Hauptmarkt.
Ob Angebote wie Falafel-Stände künftig weiterhin doppelt und dreifach vertreten sein müssen, ist ein zentraler Punkt in der aktuellen Diskussion um mehr Vielfalt auf dem Markt. | Foto: © Janine Beck
Lebkuchen im Sommer: Der absurde Ämter-Wettstreit im Rathaus
Bei den internen Diskussionen zwischen den Marktsprechern und dem Wirtschaftsreferat tauchte noch ein Problem auf. Nicht alle Stände werden vom städtischen Marktamt vergeben, was eigentlich eine Selbstverständlichkeit wäre, sondern auch vom Liegenschaftsamt direkt über Sondernutzungen. Was dazu führte, dass etwa ein Lebkuchenstand das ganze Jahr Nürnbergs süßeste Verführung verkaufte.
Diskutiert wird außerdem, ob wirklich alle Stände bleiben müssen, auch wenn das Warenangebot wie beim Falafel doppelt und dreifach vertreten ist. Ziel der Aktion soll eine Verbesserung des Grünen Markts sein und eine größere Vielfalt des Angebots.
Das geht alles in die richtige Richtung, doch bei der Umsetzung braucht es am Anfang eine sehr gute Begründung und Überzeugungsarbeit, anschließend Standfestigkeit und Transparenz. Am Ende muss das Ergebnis kontrolliert werden, damit nicht wieder jeder macht, was er will.
Lebkuchen im Sommer, unklare Zuständigkeiten und Schwerstarbeit beim Einkauf belasten den Nürnberger Hauptmarkt. Ein Konzept bis zur Lorenzkirche soll den Platz attraktiver machen.