Wachstum am Limit – Nürnbergs Hafen als unverzichtbarer Zukunftsmotor

 
Blick durch grünes Gebüsch auf die großen gelben Verladekräne sowie die Industrieanlagen im Hafen Nürnberg unter einem wolkenverhangenen Himmel

Ein Motor der regionalen Wirtschaft – Die markanten Krananlagen im Hafen Nürnberg am Main-Donau-Kanal sichern den Zugang zum globalen Güterverkehr sowie tausende Arbeitsplätze in der Region. | Foto: © Janine Beck

Während die Stadt schläft, bewegt der Hafen Nürnberg Millionen Tonnen Güter und sichert 8.000 Arbeitsplätze. Als Deutschlands größtes Logistikzentrum verbindet er Schiene, Wasser und Straße – und wird nun zum Schlüsselstandort für die globale Energiewende. Doch dem Wachstum im Nürnberger Süden fehlt der Platz.

 
 

Strategisches Rückgrat für Nürnbergs wirtschaftliche Stabilität

Der Nürnberger Hafen führt trotz der Aktivitäten von der Wahrnehmung her ein eher beschauliches Dasein. Dabei sind solche Infrastruktureinrichtungen ausschlaggebend für die noch gute wirtschaftliche Lage Nürnbergs im Vergleich zu anderen Großstädten.

Neben dem Hafen wurde auch das Messegelände in den vergangenen 25 Jahren ausgebaut. Hafen und Messe haben viel dazu beigetragen, dass wegfallende Industrie-Arbeitsplätze ersetzt werden konnten. Das waren von der Politik gute strategische Entscheidungen. Aber sie sind keine Selbstläufer.

Der Hafen ist in den vergangenen Jahren stetig gewachsen. „Wir sind Deutschlands größtes multimodales Frachtzentrum“, sagt Ingmar Schellhas, Geschäftsführer der Hafen Nürnberg-Roth GmbH.

Das Frachtzentrum verbindet die Transportwege Straße, Wasser und Bahngleise. Umweltpolitisch ist die Entscheidung in Nürnberg ein trimodales Güterzentrum aufzubauen in jedem Fall ein Gewinn. Hafen-Mitarbeiter haben ausgerechnet, dass allein 2025 239.000 Lkw-Langstreckenfahrten eingespart werden konnten, weil Güter auf die Bahn umgeladen wurden und dann von ihr auch transportiert wurden.

Auf 4,1 Millionen Tonnen umgeschlagene Güter, das sind 2,1, Prozent mehr, stiegen Gütertransporte mit Schiffen und der Bahn im Jahr 2025 gegenüber dem Geschäftsjahr 2024. Seit über 15 Jahren müssen keine Container mehr in der Austraße auf Lkw geladen werden und durch die Stadt transportiert werden: Die Verteilung der Container findet ausschließlich am Hafen statt.

Eine mächtige rote Krananlage am Hafen Nürnberg verlädt Güter von einem Binnenschiff im Bereich des trimodalen Güterverkehrszentrums

Leistungsstarke Krananlagen am Hafen Nürnberg verknüpfen Wasser, Schiene und Straße. | Foto: © Hafen Nürnberg-Roth GmbH

Trimodaler Erfolg und die Verlagerung auf die Schiene

Das Wachstum geht vor allem auf den Bahngüterumschlag zurück, der 2025 um 3 Prozent auf 3,9 Millionen Tonnen wuchs. Der Schiffsbereich schwächelt derzeit. Das hat nicht nur wirtschaftliche Gründe. Der zur Verfügung stehende Schiffsraum wird knapper, weil Schiffe für den Getreidetransport ins Donaudelta abgezogen werden, so der Geschäftsführer.

Altmetalltransporte müssen von Bahn und Lkw übernommen werden. 2025 wurden noch 238.000 Tonnen Fracht mit Schiffen transportiert, das sind 13 Prozent weniger als noch vor einem Jahr.

Die wirtschaftlichen Auswirkungen des von Russland angezettelten Krieges gegen die Ukraine werden auch in Nürnberg zunehmend spürbar. Vor allem das Transportvolumen von Steinen und Baustoffen sank. Die Front ist weit weg, aber, so Schellhas, der Hafen spürt neben der zurückgehenden Konjunktur auch den russische Angriffskrieg. Die Importe bleiben gleich, aber der Export schwächelt zunehmend. Das betrifft vor allem die Maschinenbauer. Transportiert werden vor allem Heizöl und Kraftstoffe ins Tankbetriebslager.

Ein roter Lastwagen der Spedition Markewitsch transportiert eine massive Industrieanlage im verschneiten Hafen Nürnberg.

Maßarbeit auf Rädern – Schwertransporte wie dieser sind tägliche Routine auf dem 337 Hektar großen Hafengelände. | Foto: © Hafen Nürnberg-Roth GmbH

Ein Jobmotor mit 8000 Beschäftigten und begrenzten Flächen

200 Unternehmen haben sich inzwischen auf dem 337 Hektar großen Hafengelände angesiedelt. Inzwischen arbeiten dort 8.000 Personen, 16 Prozent mehr als bei der letzten Zählung im Jahr 2016.

Ein Jobmotor, der weiterwachsen will. Schellhas erzählt, dass es alle zwei Wochen eine Anfrage von einem großen Logistiker gibt, der sich hier niederlassen will. Doch dafür habe der Hafen keinen Platz. Es würden zwar die Flächen noch effizienter organisiert, so dass es mehr Stellflächen für Container und Unternehmensansiedlungen gebe.

„Wir überlegen aber auch schon den Bau von zweigeschossigen LKW-Anlagen“, sagt Schellhas. Das Erweiterungsgelände Süd, das vor sechs Jahren aufgegeben wurde, fehle heute und hätte dem Hafen eine Wachstumsperspektive geben können.

Siemens Energy und die Bedeutung für die globale Energiewende

Anfang 2026 wurde begonnen, drei neue leistungsfähige Krananlagen zu installieren. Damit erhöht sich die Leistungsfähigkeit des Container-Terminals um 20 Prozent. 2026 werden vom Bayernhafen sieben Millionen Euro für den Ausbau und die Sanierung der Terminalanlagen investiert. Eine Firma baut eine neue Recyclinganlage. 

Laut Schellhas hat sich vor allem der Schwergutbereich gut entwickelt, der in Nürnberg und Roth um 23 Prozent zugelegt hat. Transformatoren und Kessel gehen von diesen Standorten aus in die Welt. „Besonders erfreulich ist die Standortsicherung des Siemens Energy Werkes im Nürnberger Süden“, stellt Schellhas fest. Das Traditionswerk wurde von Siemens massiv ausgebaut und erweitert, denn für erneuerbare Energien und ihre Stromnetze werden immer mehr Großtransformatoren weltweit benötigt.

Strategische Weichenstellungen für Schiene und Wasserstoff

Auch die massive Sanierung der Eisenbahnschienen in den nächsten Jahren wird zum Teil von Nürnberg aus begleitet. Es entsteht ein 30.000 Quadratmeter großer Lagerplatz, wo alte und neue Betonschwellen für den Nah- und Fernverkehr zwischengelagert werden oder, wenn nötig, saniert werden. Als weitere Investition ist in diesem Jahr der Bau einer Wasserstofftankstelle beschlossen. Zumindest der erste Spatenstich soll erfolgen.

Auch wenn es noch kein Wasserstoffkonzept gibt, weil die Akteure noch nicht zusammengefunden haben. Doch es fehlt auch an einer Förderstrategie: Immerhin ist ein Lkw, der mit Wasserstoff betrieben wird, zweieinhalb mal so teuer wie ein herkömmlicher Lkw.

 

Mehr Artikel

Weiter
Weiter

Nürnberger Grüne gespalten: Mletzko gründet eigene Fraktion im Stadtrat