Frankenschnellweg, Volksbad, Anwohnerparken: Andreas Krieglstein im Interview

 
Frisch sanierter Uhrturm des denkmalgeschützten Volksbads Nürnberg neben verwittertem Sandsteinbau, im Hintergrund das Plärrer-Hochhaus und das Planetarium

Die Sanierung des Nürnberger Volksbads verteuert sich von 56 auf bis zu 100 Millionen Euro. Die Eröffnung ist frühestens für die zweite Jahreshälfte 2027 geplant. | Foto: © Janine Beck

Baustart im Februar 2027, Gesamtkosten von 1,1 Milliarden Euro, ein städtischer Anteil von bis zu 300 Millionen: Nürnbergs zweiter Bürgermeister Andreas Krieglstein – seit Mai im Amt – nennt im Interview erstmals konkrete Zahlen und Termine zum kreuzungsfreien Ausbau des Frankenschnellwegs – und spricht über die Sanierung des Volksbads, teureres Anwohnerparken und ein neues Mobilitätsreferat.

 
 

FSW: Baustart, Kosten und politischer Rückhalt

Krieglstein ist zuständig für den Sportbereich und damit für den Stadionneubau, aber auch für Sör. Er führt außerdem Regie bei der Sanierung des Volksbads. Wir haben ihn gefragt, was er sich in den nächsten Jahren vorgenommen hat.

Nxrnberg: Herr Krieglstein, was sind denn die nächsten Schritte beim kreuzungsfreien Ausbau des Frankenschnellwegs?

Krieglstein: Ich bin dankbar, dass die Entscheidung von den Bürgern getroffen wurde. Die einen sagen, es war mit 53 zu 47 Prozent knapp, die anderen sagen es waren über 10.000 mehr Nein- als Ja-Stimmen und das ist eindeutig. Wir konnten jetzt endlich mit den Ausschreibungen beginnen. Wir wollen noch in diesem Jahr die Aufträge vergeben, so dass, wenn es der Winter zulässt, wir im Februar 2027 im Westen mit den Arbeiten für den Lärmschutz starten können.

Nxrnberg: Wie sieht denn die Finanzierung aus?

Krieglstein: Die Finanzierung ist zweigeteilt. Für den Abschnitt West haben wir konkrete Details und die sind auch dem Stadtrat bekannt. Die Kosten belaufen sich auf unter 100 Millionen Euro. Das ist bei den Gesamtkosten aber noch nicht entscheidend. Entscheidend ist der Tunnel und da gehen wir jetzt in die vertiefenden Planungen, damit wir auch die Ausschreibungen vornehmen können und die genauen Gesamtkosten haben. Erst dann können wir genau sagen, was auf uns zukommt.

Aktuell gehen wir davon aus, dass der kreuzungsfreie Ausbau des Frankenschnellwegs 1,1 Milliarden Euro kostet. Der Freistaat hat gesagt, er übernimmt 80 Prozent der förderfähigen Kosten. Das reicht aber nicht aus, um 80 Prozent der Gesamtkosten zu decken. Wir benötigen außerdem noch einen Sonderzuschuss. Auch das ist inzwischen geklärt. Er beträgt aktuell 100 Millionen Euro.

Außerdem soll es noch 50 Millionen Euro aus Berlin geben. Die Gesamtquote der Förderung wird zwischen 75 und 80 Prozent betragen. Es hängt aber auch noch vom Realisierungszeitpunkt ab.

Nxrnberg: Der Anteil der Stadt wird zwischen 200 und 300 Millionen Euro liegen.

Krieglstein: Ja, damit müssen wir rechnen. Das sind bei einer Bauzeit von drei Jahren für den Abschnitt West und zehn Jahren für den Tunnel rund 30 Millionen pro Jahr für die Stadt. Das ist viel Geld, aber wenn man es mit anderen Projekten vergleicht, wie den Hafenbrücken, die uns wahrscheinlich 350 Millionen Euro kosten, dann ist auch das ein Stück Substanzerhalt, der vernünftig und vertretbar ist. Allein den Status quo zu erhalten, hätte uns 110 Millionen Euro gekostet.

Nxrnberg: Zieht die SPD richtig mit? Sie hat den kreuzungsfreien Ausbau auch gewollt. Bei der Auseinandersetzung im Rahmen des Bürgerbegehrens hat sie sich aber sehr zurückgehalten. Können die Gegner den Ausbau auch künftig noch behindern?

Krieglstein: Die einzige Partei, die sich im öffentlichen Raum zum Bürgerbegehren zunächst nicht positioniert hat, war die SPD. Aber am Ende hat sie doch eine klare Position zum kreuzungsfreien Ausbau eingenommen. Lieber spät als nie.

Wir stehen unter genauer Beobachtung beim Bau des Abschnitts West. Wir müssen uns an dem Ergebnis messen lassen. In zwei, drei Jahren wird deutlich werden, wie die Stadt und die Anwohner von dem Ausbau profitieren. Wenn nicht, dann haben die Gegner neue Argumente.

Im Westen befürchte ich keine Behinderungen mehr. Wir können das Projekt auch in mehrere Abschnitte aufteilen und den Bau der Emmy-Noether-Straße vorziehen, um die Südstadt zu entlasten. Das wird derzeit geprüft.

Es soll auch die Aufenthaltsqualität im Umfeld des Frankenschnellwegs mit mehr Grün, neuen Fußgänger- und Radwegen aufgewertet werden, damit der Bürger sieht, es wird besser. Es wird keine Alleingänge von mir geben. Ich werde umfassend informieren. Auch mit den Unterstützern des Bürgerentscheids bleibe ich im Dialog.

„Am Ende werde ich an den Ergebnissen gemessen": Bei allen Großprojekten will Krieglstein Überraschungen vermeiden. | Foto: © Stadt Nürnberg

Stadionneubau, Volksbadsanierung und Baustellenmanagement

Nxrnberg: Welche wichtigen Vorhaben zum Frankenschnellweg kommen noch hinzu?

Krieglstein: Das Stadion und das Volksbad. Bis Ende des Jahres soll ein Businessplan für das Stadion stehen, damit wir mit den Ausschreibungen beginnen können.

Bei der Sanierung des Volksbads müssen wir Kosten und Zeitplan öffentlich machen. Der Denkmalschutz verteuert mit seinen Anforderungen zusehends das Vorhaben.

Bei allen Großprojekten möchte ich an die Öffentlichkeit gehen, denn am Ende werde ich an den Ergebnissen gemessen. Auch bei den Großprojekten von Sör, bei Straßen und Brücken muss klar für die Öffentlichkeit herausgestellt werden, was sie kosten, wie der Ablauf ist und wo es Probleme geben kann. Ich möchte Überraschungen vermeiden.

Dass es im vergangenen Jahr sehr viel Ärger mit dem Baustellenmanagement gegeben hat, lag auch daran, dass nicht klar kommuniziert wurde. Jede einzelne Maßnahme ist sinnvoll. Aber es hat der Überblick gefehlt.

Beim ÖPNV spricht die VAG von den „Big eleven“, aber nicht einmal Stadträte wissen, was das ist. Das muss im nächsten Verkehrsausschuss öffentlich gemacht werden. Auch wenn 100 Millionen Euro von der VAG in den nächsten Jahren investiert werden, wird deutlich, dass für eine Altstadtquerung der Straßenbahn kein Geld da ist. Andere Vorhaben sind wichtiger.

Mobilitätsreferat, Anwohnerparken und Radwege

Nxrnberg: Und strukturell? Was wollen Sie verändern? Sie haben sich ein Mobilitätsreferat als Ziel gesetzt.

Krieglstein: Ich sehe noch viele Möglichkeiten, die Zusammenarbeit in der Verwaltung zu stärken. Schnittstellen, die verbessert werden können und viele Doppelstrukturen bei Planung und Ausführung, die es nicht braucht. Wenn wir das Mobilitätsreferat umsetzen, dann sparen wir Geld, weil wir die Zeit von der Planung bis zur Umsetzung verkürzen. Bei den Hafenbrücken haben wir 15 Jahre benötigt. Wir müssen uns fragen, was wir besser machen können. Im Herbst werde ich Vorschläge für ein Mobilitätsreferat machen.

Nxrnberg: Wie sieht das konkret aus?

Krieglstein: Wir haben vor sieben Jahren beschlossen, Quartiersparkhäuser zu errichten. Bislang ist nur eines bei der N-Ergie entstanden. Warum? Der Parkplatz im öffentlichen Raum kostet derzeit Null Euro. Bewohnerparken kostet in Bayern nur 30 Euro und ein paar Cent. Ein Parkhaus ist teurer. Ich bin der festen Überzeugung, dass wir das Bewohnerparken anpassen müssen, wenn wir mehr Platz für Bäume und Grünflächen haben wollen. Das ist nur fair gegenüber denjenigen, die einen Stellplatz anmieten müssen. Da bin ich in Verhandlungen mit München.

Der öffentliche Raum ist kostbar, das müssen wir uns bewusst machen. 320.000 Autos stehen in Nürnberg die meiste Zeit nur herum. Wir brauchen mehr Bäume und mehr Radwege.
— Andreas Krieglstein

Der öffentliche Raum ist kostbar, das müssen wir uns bewusst machen. 320.000 Autos stehen in Nürnberg die meiste Zeit nur herum. Wir brauchen mehr Bäume und mehr Radwege. Aber ich möchte nicht einfach Parkplätze streichen, sondern mit den Quartiersparkhäusern ein Angebot machen.

Wir brauchen keine radikalen Lösungen, sondern wir müssen die Menschen mitnehmen. Das gilt auch für die Radwege. Es reicht nicht, einfach Radwege abzumarkieren. Wir versuchen beim Altstadtring im Rahmen der Landesgartenschau mit Brücken und Tunnels den Radweg voranzubringen. Schwierig ist vor allem der Bereich zwischen Plärrer und Hallertor sowie am Opernhaus. Das Problem Fahrradwege in der Altstadt bekomme ich erst dann gelöst, wenn ich auch die Fragen zur Landesgartenschau beantwortet habe.

 

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