Der Klimahase läuft zu langsam

 
Sonniger Lorenzer Platz vor der Lorenzkirche in Nürnberg

Der Lorenzer Platz an einem heißen Sommertag. Große Teile der neu gepflasterten Fläche liegen in der Sonne. | Foto: © Janine Beck

Die Hitze trifft in Nürnberg auf versiegelte Flächen, aufgeheizte Gebäude und Schulen ohne wirksame Kühlung. Klimaanlagen können einzelne Räume entlasten, lösen aber das strukturelle Problem nicht. Die Stadt muss anders bauen.

 
 

Anpassung statt Rückkehr zur Natur

Es war ein heißer Sommer. Der heißeste nach den bisherigen Wetteraufzeichnungen. Bewohner und Besucher Nürnbergs hatten und haben noch das Gefühl, dass sie der Hitze fast ohne Schutz ausgeliefert waren. Auch auf dem Fahrrad half kein Luftzug. Im Kopf machte sich das Gefühl breit, einen Schrumpfkopf auf den Schultern zu haben.

Dass diese hohen Temperaturen von einem selbst verursachten Klimawandel stammen, gilt inzwischen als ausgemacht. Spanien, Afrika und andere Regionen der Welt haben allerdings schon seit Jahrhunderten ähnlich hohe Temperaturen wie in diesem Jahr auch Deutschland und kommen doch damit zurecht. Wenn auch nicht immer gut.

Dass wir lernen müssen, mit dem Klimawandel umzugehen und diesen auch verlangsamen müssen, ist eine Binse. Wenn wir unseren Wohlstand erhalten wollen, geht das aber nur mit noch mehr guter Technik und nicht mit dem Rückbau von Industrie.

Eine Rückkehr zur Natur ist ein Märchen, das nur für wenige Menschen möglich ist und das nur aus politischem Interesse eingesetzt wird: Wer denken kann, weiß, dass das nicht mehr möglich ist.

Es geht um Anpassung an das sich verändernde Klima und nicht um eine Abschaffung von Auto, Konsum und Fliegen. Dass mehr Energie als bisher gespart werden kann und muss, aber auch mehr Energie umweltfreundlich erzeugt werden kann, ist wieder eine Binse, tut aber hier nichts zur Sache.

Mehrere Außengeräte von Split-Klimaanlagen sind an einer Reihe weißer Container in Neunhof / Nürnbergmontiert.

Außengeräte mehrerer Split-Klimaanlagen an einer Containeranlage. Beim Kühlen geben sie Wärme an die Umgebung ab. | Foto: © Janine Beck

Die Illusion der Klimaanlage

In solch komplizierten Gemengelagen helfen Politiker und Akteure, die immer schon gewusst haben, wie der Klimahase läuft, wenig. Als die Hitze die Menschen in diesem Sommer richtig stark belastete, meldeten sich die Grünen mit der Forderung zu Wort, dass Klimaanlagen, wenn sie mit Strom betrieben werden, der aus regenerierbaren Quellen stammt, steuerlich gefördert werden oder sogar direkt subventioniert werden.

Wir erinnern uns noch an Corona, als der Weltuntergang bevorstand, weil nicht alle Klassenzimmer sofort einen Lüfter hatten. Wo die Abertausende dieser Lüfter inzwischen ihren Dienst tun, weiß kein Mensch.

Jetzt die Neuauflage mit Klimaanlagen? Das kann man natürlich machen, aber die Abwärme und damit das Aufheizen der Wohnumgebung, der Klassen- und Krankenzimmer bleibt natürlich trotzdem ein Problem – eine hohe Belastung für die Umwelt.

Die Grünen waren bislang stets gegen Klimaanlagen eingestellt. Aktuell, dem politischen Gegner bei der ausgebliebenen Anschaffung von Klimaanlagen Versäumnisse vorzuwerfen, ist unlauter. Energieeinsparung und Klimaanlagen sind ein Widerspruch an sich.

Schulbauten als geschlossene Systeme

Die Politik in Nürnberg war in den vergangenen Jahrzehnten fast komplett gegen Klimaanlagen als intensive Stromfresser eingestellt. Umweltschädlich lautete das Urteil. Das hat beispielsweise zur Folge, dass praktisch keine neu gebaute Schule in Nürnberg und kein städtisches Gebäude über eine Klimaanlage verfügt. In vielen neuen Schulen können auch nur noch schwer Fenster aufgemacht werden, um einmal frische Luft hereinzulassen: Die fein abgestimmte Lüftungsanlage, die zur neuen Heizungsanlage unabdingbar gehört, könnte sonst irritiert werden und nicht mehr richtig funktionieren.

Die Begründung der Planer für das automatische Rauf- und Runterfahren von Jalousien in Nürnberg und damit für eine Kapselung von Schulen lautete flapsig: „Menschen machen Fehler, die Technik nicht.“ Viel Spaß in den nächsten 20 Jahren in solchen Schulhäusern! Hoffentlich ist Technik für über 40 Grad Celsius ausgelegt. Technik ist keine Selbstläufer, wenn der Rahmen nicht stimmt.

Spanien und Sizilien als Vorbilder

Die Anpassung Nürnbergs an die Hitze der Stadt, die schon mit der Änderung von Bebauungsplänen vor Jahren begonnen hat, braucht Zeit. Nachdem beispielsweise Spanien, aber auch Sizilien schon lange mit hohen Temperaturen zurechtkommen müssen und Kinder trotzdem in Schulen gehen und Firmen weiter produzieren, sollte man sich hierzulande darum kümmern, was man von anderen Städten und Ländern lernen kann, um mit der Hitze zurechtzukommen.

Ein „zurück“ zu klimatisch seligen Zeiten wird es nicht geben. Wir können schon froh sein, wenn der Hitzeanstieg gestoppt wird. Vielleicht brauchen die Schülerinnen und Schüler auch eine Art Siesta, wenn die Hitze in der Mittagszeit weiter so hoch bleibt. Wichtig wäre ein systematisches Lüftungssystem, innerhalb des umbauten Raums, ohne aufwändige Technik. Geradezu das Gegenteil von gekapselten Räumen. Wer Palazzi auf Sizilien aufsucht, hat selten das Gefühl, dass es zu heiß ist.

Eine Frau hält ihre Arme in den Wassernebel einer Sprühnebelsäule in der Königstraße in Nürnberg.

Eine der neuen Sprühnebelsäulen in der Königstraße. Der Wassernebel sorgt an heißen Tagen für Abkühlung, ersetzt aber weder Schatten noch weniger versiegelte Flächen. | Foto: © Stadt Nürnberg

Ein Klimaaktionsplan für 500.000 Euro

Die Stadt Nürnberg hat nach der Hitze dieses Sommers kurzfristig einen Klimaaktionsplan eingerichtet. Daraus sollen Maßnahmen für Schulen, Kindertagesstätten, Alten- und Pflegeheime finanziert werden. Er ist mit 500.000 Euro ausgestattet. Damit lassen sich tatsächlich nur Tropfen auf die heißen Steine finanzieren.

Die N-Ergie hat in der Innenstadt vier Sprühnebler aufgestellt. Das macht vor allem Kindern, aber auch Erwachsenen Spaß, ist aber keine Lösung des Hitzeproblems. In Bordeaux wurde die Fläche eines kleinen Fußballfelds mit Wassersäulen in der Innenstadt eingerichtet. Das macht das Klima angenehm. Es ist alles eine Frage des Geldes.

Der Umbau der Stadt hat begonnen

Wichtig ist der konsequente und nachhaltige Umbau Nürnbergs. Keine Schnellschüsse mit Klimaanlagen. Die oft leichtfertig geschmähte Landesgartenschau, die 2030 nach Nürnberg kommt, wird das Klima in der Stadt verbessern. Inseln mit Baumpflanzungen, die eine Versiegelung von Straßen aufbrechen, werden dann das Klima menschenfreundlicher machen. Gesucht werden derzeit vor allem klimaresistente Baumarten.

Es wurde auch mit der Breiten Gasse und dem Obstmarkt begonnen, das Prinzip Schwammstadt umzusetzen, um das Regenwasser länger im Boden zu halten. Das gedankenlose Gemaule, dass nichts passiert, hilft nicht weiter und ist falsch. Es sollte nur alles schneller geschehen.

Die Stadt kann es nicht allein schaffen

Intern ist die Stadtspitze einig, dass es angesichts der Haushaltslage keinen großen Wurf geben kann und Qualität Zeit braucht. Notwendig seien aber schnell Spielflächen für Kinder, die auch eine Verschattung haben. Das wurde wohl bei den Planungen bisher zu wenig berücksichtigt. Gehofft wird auf Baumpaten und Bürgervereine, die Bäume finanzieren. Das wäre doch ein sinnvolles Unterfangen. Die Stadt kann es nicht alleine schaffen.

 

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