Nasser Ahmed im Interview: Bau-Turbo, Airbnb und Wohnen
Nürnbergs Baubürgermeister spricht über Bau-Turbo, Airbnb-Kontrollen und 2.000 neue Wohnungen pro Jahr. | Illustration: © Paul Blotzki
Seit dem 6. Mai 2026 verantwortet Dr. Nasser Ahmed (SPD) als Dritter Bürgermeister Nürnbergs die Bereiche Wohnen und Bauen. Er will Genehmigungen beschleunigen und den Bau von jährlich 2.000 Wohnungen ermöglichen. Im Interview erklärt er seine Pläne für Bau-Turbo, Airbnb-Kontrollen, einfachere Baustandards und sozialen Wohnungsbau.
Bauverwaltung und 2.000 neue Wohnungen
Nxrnberg: Herr Nasser Ahmed (SPD), Sie sind als Baubürgermeister erst wenige Monate im Amt. Was wurde konkret auf den Weg gebracht, um die Bauverwaltung effizienter und schneller zu machen?
Nasser Ahmed: Wir haben jetzt ein Bau-Kompetenzzentrum auf den Weg gebracht. Die Vorschläge liegen gerade bei Stadtbaudirektorin Frau Heckel, die ein Konzept für alle mit den Baugenehmigungen vertrauten Dienststellen und Ämter erarbeitet, wie wir schneller werden können. Wir sind aber noch ganz am Anfang. Wir werden das Konzept bis Ende des Jahres unter der Überschrift Baukompetenzzentrum vorstellen.
Nxrnberg: In der Vergangenheit hieß es stets, bei der Beschleunigung ließe sich nicht mehr viel machen, weil man schon schnell sei, und neue Ressourcen gebe es nicht. Sind Sie überzeugt, dass es schneller geht?
Ahmed: Ich habe meinen Antrittsbesuch bei der Bauordnungsbehörde absolviert und dort wurde mir gesagt, dass wir bei den meisten Baugesuchen sehr schnell sind. Die Generalschelte, dass wir langsam sind, müssen wir zurückweisen. Es gibt dann noch die letzten zehn Prozent von Bauanträgen, da hängt es an komplexen Sonderthemen. Alle Bereiche müssen mehr miteinander reden. Wir müssen Ebenen schaffen, die Entscheidungen treffen können und Hürden aus dem Weg räumen. Das ist eine Managementaufgabe und das ist auch der politische Wille des Stadtrats.
Nxrnberg: Was sind die nächsten Themen, die Sie in Angriff nehmen?
Ahmed: Das große Thema in meinem Bereich wird der Bau neuer Wohnungen sein. Wir brauchen jährlich 2.000 neue Wohnungen, damit wir den Bedarf erfüllen können. Im vergangenen Jahr wurden in der Stadt aber leider nur 1.400 gebaut. Wir müssen 600 Wohnungen mehr jedes Jahr bauen. Ich weiß, dass das eine Herausforderung ist.
Nürnberg benötigt nach Angaben von Nasser Ahmed jährlich 2.000 neue Wohnungen, rund 600 mehr als zuletzt gebaut wurden. | Foto: © Janine Beck
Nxrnberg: Wie wollen Sie das erreichen?
Ahmed: Die Frage ist, was können wir vor Ort machen, damit wir mehr Wohnungen heben können? Nürnberg kann nicht unendlich wachsen. Wir müssen in die Innenentwicklung und nicht in die Außenentwicklung gehen. Wir werden die Innenbereiche der Stadt genau anschauen, wo noch Wohnungen entstehen können. Im Blick haben wir auch die Gewerbeflächen. Wo sollten wir Investoren oder Eigentümer ansprechen, damit wir eine Konversion von Büros in Wohnungen vornehmen. Möglich ist es auch, Häuser aufzustocken, wie es das Siedlungswerk im Gensfelderweg tun wird. Dort werden dreistöckige Häuser um zwei Stockwerke aufgestockt. Mit dem Bau-Turbo des Bundes ist vieles möglich.
Bau-Turbo und Kampf gegen Airbnb-Missbrauch
Nxrnberg: Was bedeutet der Bau-Turbo?
Ahmed: Die Gemeinde oder die Stadt darf außerhalb des Bebauungsplans und seiner festgesetzten Normen, beispielsweise Höhen, Bauprojekte genehmigen, wenn sie im Einklang mit den planungsrechtlichen Vorstellungen der Kommune stehen. Dafür reichen ein städtebaulicher Vertrag und ein einfacher Beschluss des Stadtrats aus. Hier liegen viele Chancen für uns.
Nxrnberg: Welche Punkte kommen noch?
Ahmed: Ein weiterer Punkt ist der Kampf gegen Airbnb-Missbrauch. Wir haben die Möglichkeit, seit Mai ein Registrierungsverfahren einzuführen. Wenn das die Stadt Nürnberg macht, dann kann sie an alle Daten transparent herankommen. Wer vermietet, wie viele Tage, an wen? Man darf nur drei Monate im Jahr an Urlauber vermieten, ohne dass es gewerblich ist. Es gibt genügend, die darüber liegen. Wir werden dafür eine Software brauchen, um an die Daten heranzukommen. Dafür benötige ich auch noch zwei neue Mitarbeiter. Wir haben derzeit nur eine Stelle zur Mietraumüberwachung. Früher waren es vier. Wir haben noch 1.000 Altfälle im Bereich der Zweckentfremdung von Wohnungen wie Leerstand und Airbnb-Missbrauch aufzuarbeiten.
“Wir verbauen keine goldenen Wasserhähne”
Nxrnberg: Bauen wird immer teurer. Wie wollen Sie die Kosten in den Griff kriegen?
Ahmed: Das Hochbauamt hat Leitlinien für Einfaches Bauen herausgegeben. Wir werden mit den Standards runtergehen müssen. Wir leisten in vielen Bereichen eine Art „Nürnberger Landrecht“, wie es mein Vorgänger im Amt, Daniel Ulrich, einmal formuliert hat. Um in Zukunft in Zeiten der Haushaltskrise und der Haushaltssperre überhaupt noch bauen zu können, müssen wir die Standards ganz genau überprüfen. Wir wollen mit Qualität, aber auch schnell und einfacher bauen.
Nxrnberg: Was ist bei den Standards an Einsparungen möglich?
Ahmed: Wir kommen beim Haushalt in Bereiche, wo wir uns gar nicht mehr bewegen können. Wir verbauen keine goldenen Wasserhähne, aber bei manchen Dingen könnten wir schon sparen und abspecken. Die technischen Gerätekosten am einzelnen Bauwerk haben vor 30 Jahren 15 Prozent betragen, heute sind wir bei über 30 Prozent. Wir haben viele Punkte, die Komfort bedeuten, aber wenn wir dann gar nicht mehr bauen können, dann müssen wir das einfache Bauen ernst nehmen. Am Brandschutz und an der Sicherheit darf natürlich nicht gespart werden. Es geht um Details, aber auch um den grundsätzlichen Flächenbedarf. Ich hoffe, dass wir so drei Prozent der Baukosten einsparen können.
Was Nürnberg von Österreichs Hauptstadt beim bezahlbaren Wohnungsbau lernen kann. Zum Artikel über das Wiener Modell. | Illustration: © Paul Blotzki
Nxrnberg: Wie viele Schulen müssen doch noch saniert oder neu gebaut werden?
Ahmed: Wir haben über 100 Schulen in der Stadt. Da gibt es natürlich auch viel Sanierungsbedarf. Bei den Neubauten kommen wir im nächsten Jahrzehnt langsam ans Ende.
„Das ist für Städte wie Nürnberg katastrophal“
Nxrnberg: Wie soll der soziale Wohnungsbau angekurbelt werden?
Ahmed: Es ist fatal, dass die klassische soziale Wohnungsbauförderung so stark eingebrochen ist. Wir hatten 2025 100 Millionen Euro Wohnungsbauförderung. Für dieses Jahr haben wir nur noch 28 Millionen Euro. Das ist für Städte wie Nürnberg katastrophal. Der Freistaat hat aber nicht nur die Fördermittel gekürzt, sondern auch auf ein Pro-Kopf-System umgestellt. Dann bekommt eine Stadt wie Selb pro Kopf genauso viel wie Nürnberg. Es muss aber mehr auf den Bedarf geschaut werden. Wir versuchen, mit dem Freistaat nachzuverhandeln.
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