Das neue Max-Morlock-Stadion soll sich selbst tragen

 
Illustration: Max Morlock trägt wie Atlas einen Ball auf den Schultern

Weil die Stadt klamm ist, trägt sich das Stadion am besten selbst. | Illustration: © Paul Blotzki

Das neue Max-Morlock-Stadion in Nürnberg soll als reines Fußballstadion mit über 50.000 Steh- und Sitzplätzen gebaut werden; der Kostenrahmen liegt derzeit bei 260 bis 280 Millionen Euro, die Fertigstellung ist für 2031/32 geplant. Der Nürnberger Stadtrat soll die Vorzugsvariante am 22. Juli beschließen. Die Finanzierung sieht vor, dass die Stadt in Form eines Kommunalunternehmens Eigentümerin bleibt, der Freistaat sich an der Anschubfinanzierung beteiligt und der 1. FC Nürnberg die Kredite über eine deutlich erhöhte Stadionmiete tilgt.

 
 

Stadt, Club und Planer einigen sich auf Vorzugsvariante

Im vergangenen Dezember hat der Stadtrat ein Stuttgarter Planungsbüro beauftragt, die Vorzugsvariante für ein neues Stadion in Nürnberg zu entwickeln. Es gab in den vergangenen vier Jahren die unterschiedlichsten Entwürfe für das neue Max-Morlock-Stadion. Andreas Krieglstein, Sportbürgermeister, der 1. FC Nürnberg und das Planungsbüro asp haben sich jetzt auf eine Variante geeinigt, die Ende Juli vom Stadtrat beschlossen werden soll, damit die nächsten Schritte des Projekts gemacht werden können.

Bei der Vorstellung des Vorhabens war viel von Funktionen die Rede, aber nicht von der Finanzierung, die bis Ende dieses Jahres im Rahmen eines Businessplans grundsätzlich stehen soll. Mit der Entscheidung, ein reines Fußballstadion zu bauen, das über 50.000 Steh- und Sitzplätze verfügen soll, wurde aber indirekt eine Vorentscheidung getroffen, wie die Finanzierung aussieht. Bei internationalen Spielen oder Länderspielen werden es 40.000 Sitzplätze sein.

Zuletzt war die Rede davon, dass Freistaat, Stadt Nürnberg und der 1. FC Nürnberg je 60, 70 oder 80 Millionen einbringen und der noch offene Betrag über den Betrieb abfinanziert wird. Doch die vielen Ideen, wie denn der Club einen solchen Betrag in absehbarer Zeit zusammenbringen kann, haben zu keinem Ergebnis geführt. Das Risiko, wenn ein Teil des Club-Geländes für Wohnungsbau verkauft wird, wollten Stadt und Club offenbar nicht eingehen, denn schon zu Beginn der Überlegungen kam es zu großen Widerständen bei den Anliegern.

Illustration: Max-Morlock-Porträt umgeben von Piktogrammen vieler Sportarten – die alten Pläne für den Stadionumbau

So groß waren die Pläne einmal: Sportpark statt reines Fußballstadion – die Vision aus dem Jahr 2023 ist vom Tisch. | Illustration: © Paul Blotzki

Kein Hotel, kein Parkhaus, keine Ringerhalle, kein zweites Stadion

Bei der jetzt vorgelegten Vorzugsvariante konzentrierten sich Stadt, Planer und Club auf die Funktion eines reinen Fußballstadions. Das bedeutet, es wird keinen Sportkindergarten, keine neue Funktionshalle unter der Haupttribüne für Ringer, kein Hotel und kein Gewerbe oder Praxen unter den Tribünen geben. Das würde die Konstruktion des Stadions deutlich verteuern.

Auch im Umfeld des Stadions wurde abgespeckt: Es wird kein Parkhaus und kein zweites kleines Stadion für andere Sportvereine, etwa für Leichtathletik, gebaut. Ziel der Vorzugsvariante war, dass die Kosten beherrschbar bleiben und das Stadion überhaupt finanzierbar ist. Damit geht die Stadt auch Auseinandersetzungen aus dem Weg, die eine grundsätzliche Neuordnung des Freizeitgeländes am Dutzendteich nach sich gezogen hätte. Welche Bäume bleiben erhalten und welche werden ersetzt? Eine solche Diskussion wird in Nürnberg in der Regel emotional und ohne Lösungsansatz geführt. Erinnert sei nur an die Auseinandersetzung um die Konzerthalle.

Hochzeiten und Konzerte sollen das Stadion mitfinanzieren

Für die neue Finanzierung läuft alles auf folgende Variante hinaus: Die Stadt bleibt Eigentümer des Stadions in Form eines Kommunalunternehmens, was für günstigere Kredite sorgt als der derzeitige Eigenbetrieb, und übernimmt zusammen mit dem Freistaat die Anschubfinanzierung des Um- und Neubaus. Es steht das Versprechen im Raum, dass der Freistaat so viel Geld zur Verfügung stellt, wie auch die Stadt Nürnberg einbringt. Der 1. FC Nürnberg übernimmt dann in den Folgejahren die Tilgung der Kredite mit einer deutlich erhöhten Stadionmiete. Das bedeutet auch, dass das nicht allein mit Gewinnen aus Fußballspielen der 1. (hoffentlich) und der 2. Bundesliga erlöst werden kann, sondern nur mit zusätzlichen Veranstaltungen.

Auf der Pressekonferenz wurden Hochzeiten in einem größeren Rahmen genannt. Es dürften auch Konzerte und weitere Großveranstaltungen hinzukommen. Anders lässt sich eine hohe Stadionmiete durch den Club wahrscheinlich nicht finanzieren. „Das Stadion soll ganzjährig genutzt werden können. Wir bauen das, was wir uns leisten können“, sagt Sportbürgermeister Andreas Krieglstein.

Da auch die Stadt Nürnberg finanziell klamm auf der Brust ist, wird der Betrag, den die Stadt Nürnberg für den Stadionumbau zur Verfügung stellt, auf die Einsparungen beim Bauunterhalt des aktuellen Stadions hinauslaufen. Wenn ein neues Stadion kommt, dann sind diese nicht mehr notwendig. Das Stadion soll kein Zuschussprojekt für die Stadt werden, sondern sich selber tragen, so die Hoffnung Krieglsteins.

Innenansicht des Max-Morlock-Stadions bei einem Heimspiel, die Laufbahn trennt Tribünen und Spielfeld

Noch trennt die Laufbahn die Ränge vom Spielfeld, im neuen Stadion fällt sie weg. | Foto: © Janine Beck

Die Fans rücken ans Spielfeld

Damit die Zuschauer näher an das Spielfeld rücken, fällt die Laufbahn weg. Die denkmalgeschützte Stadionwand im Inneren der Haupttribüne soll aber erhalten werden. Geplant ist, dass das Stadion künftig noch stärker zur Heimat des 1. FC Nürnberg wird. Fanräume, ein Vereinsmuseum sowie Flächen für die Geschäftsstelle des Clubs schaffen Verbindung zwischen Verein und Stadion und machen den Club auch außerhalb der Spieltage erlebbar. Für die Club-Fans wird es außerdem einen Platz als Treffpunkt vor der Nordtribüne geben. Im Gespräch sind auch Lagerflächen für große Fahnen. Und im Stadion wird es keine „Münder“, das sind große Zuschauerzugänge auf den Rängen, mehr geben. Die Choreografien der Fans sollen nicht beeinträchtigt, sondern erleichtert werden. Die Zahl der Plätze für Rollstuhlfahrer wird von 90 auf 250 erhöht.

Ganz wichtig war den Planern von asp, Krieglstein und Stefan Heim, Finanzvorstand vom 1. FC Nürnberg, das Thema Nachhaltigkeit, das mit der Vorzugsvariante umgesetzt werden soll. Der Erhalt bestehender Bausubstanz, ressourcenschonende Baustoffe, Fernwärme, Regenwassernutzung und moderne Gebäudetechnik sind ebenso Bestandteil der Planung wie eine verbesserte Barrierefreiheit und eine gute Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr und den Radverkehr.

„Die Empfehlung der Planer zeigt, dass wir innerhalb des vorgesehenen Kostenrahmens ein Stadion bauen können, das den Fans ein besseres Erlebnis bietet, wirtschaftlich leistungsfähiger ist und gleichzeitig seine Identität bewahrt. Das ist ein ganz wichtiger Meilenstein auf dem Weg zu unserem neuen Achteck“, sagt Krieglstein.

Am 22. Juli entscheidet der Stadtrat

Noch nicht geklärt ist, ob das Stadion während des Spielbetriebs umgebaut wird oder ob ein Interimsstadion auf einer Ausweichfläche gebaut wird, das für niedrigere Baukosten sorgen und den Bauablauf erleichtern könnte. Ein Umzug ins Stadion von Fürth steht jedenfalls nicht zur Debatte. Es gibt aber schon Meldungen aus der Region. Roth könnte sich das Ausweichstadion vorstellen. Es muss weitergesucht werden, denn die DFL schreibt grundsätzlich eine Interimsspielstätte vor, falls auf dem Bau ein Unglück passiert oder aus anderen Gründen die Bauarbeiten eingestellt werden. Als Ausweichspielstätte könnte aber auch rein formal das Münchner Olympiastadion angegeben werden.

Ziel ist, dass das neue Max-Morlock-Stadion 2031/32 fertig ist. Der Kostenrahmen liegt derzeit bei 260 bis 280 Millionen Euro. Hinzu kommen die jährlichen Teuerungsraten bei den Baukosten. Am 22. Juli soll der Nürnberger Stadtrat die Vorzugsvariante beschließen.

 

Mehr Artikel

Weiter
Weiter

Bürgerentscheid Frankenschnellweg: 53,1 Prozent gegen Planungsstopp