Andrea Heilmaier im Interview über Grünen Markt, Galeria und Kaufhof
Marktstände, Einzelhandel und leere Kaufhausflächen: Andrea Heilmaier über die Möglichkeiten der Stadt, Nürnbergs Innenstadt zu gestalten. | Illustration: © Paul Blotzki
Wirtschaftsreferentin Andrea Heilmaier will das Marktgeschehen auf dem Hauptmarkt neu ordnen, weil die Baustelle auf dem Obstmarkt den Markt auf dem Hauptmarkt behindert und schwer zugänglich macht. Stellenweise sind Obst und Gemüse mit Baustaub belastet. Ein Olivenhändler musste deshalb seine ganzen Waren wegschmeißen. Die Marktbeschicker haben von der Wirtschaftsreferentin gefordert, die Stände neu zu ordnen.
Sie sollen ab 14. September vor allem in der Königstraße und im Umfeld der Lorenzkirche aufgestellt werden, weil es dort auch mehr potentielle Kunden gibt. Diese Pläne werden von der SPD und dem Bürgerverein Altstadt kritisiert. Es wurde eine Unterschriftenaktion gestartet. Ab der nächsten Woche wird die neue Ordnung umgesetzt. Ein Interview mit der Wirtschaftsreferentin zu den Themen Hauptmarkt, Kaufhof und Karstadt.
„Es gibt keine besseren Alternativen“
Nxrnberg: Es gibt Widerstand gegen ihre Vorschläge, den grünen Markt am Hauptmarkt neu zu gestalten und die Stände verstärkt in der Königstraße aufzustellen. Wie halten Sie dagegen?
Andrea Heilmaier: Die Verlagerung ist der ausdrückliche Wunsch von der Mehrheit der Händler und nicht von der Stadt Nürnberg. Dafür gibt es tausend gute Gründe. Wir haben nur etwas aufgeräumt. Die SPD als unser Partner im Rathaus wurde umfangreich informiert. Die Markthändler haben sich gegen die Unterschriftenaktion des Bürgervereins Altstadt gewendet und halten an der geplanten Neuordnung fest. Sie möchten auch nicht ständig umziehen, denn das kostet den Händlern Geld. In der Königstraße machen sie einen viel höheren Umsatz. Auf der Sachebene ist momentan alles klar. Es gibt keine besseren Alternativen. Wir lassen jetzt auch den Stand aus Plankstetten vor der Industrie- und Handelskammer stehen und es kommt noch ein Direktvermarkter dazu. Es ziehen also nicht alle Stände Richtung Lorenzkirche. Wir können nicht vor den Geschäften an 365 Tagen einen Marktstand stellen. Das wollen die Ladenbesitzer nicht.
Bleiben oder umziehen? Die künftige Verteilung der Marktstände zwischen Hauptmarkt und Königstraße sorgt für Streit. | Foto: © Janine Beck
Nxrnberg: Es beschwert sich ein Falafel-Stand, dass er umziehen muss. Was hat er für Gründe? Wird er benachteiligt?
Heilmaier: Nein. Das war ein Abwägungsprozess. Einer der Falafel-Stände musste umziehen, für zwei reicht der Platz nicht. Wir haben denjenigen ausgewählt, der bleiben darf, der in der Vergangenheit sich immer an die Regeln gehalten hat. Über Einzelheiten möchte ich nicht reden. Mit dem Nelson-Mandela-Platz hat derjenige, der wegziehen soll, aber einen alternativen Standort angeboten bekommen. Diesen Platz wollte er aber nicht. Wir haben den Stand nicht willkürlich herausgepickt.
Nürnberg und Fürth sind nicht vergleichbar
Nxrnberg: Vor wenigen Tagen wurde in einer großen süddeutschen Zeitung Fürth für seine lebendige Innenstadt gelobt. Was macht denn Fürth besser bei der Innenstadtentwicklung als Nürnberg? Angeblich gibt es kaum Leerstände im Einzelhandel und Fürth sei hipper als Nürnberg.
Heilmaier: Ja, Fürth hat eine sehr schöne Innenstadt. Ich war als Stadträtin bei der Entwicklung mit dabei. Bei der Beurteilung muss man aber auch berücksichtigen, von welchem Level aus es losging. Ende der 90er Jahre gab es sehr viele Leerstände. Es war ein Graus. Davon ist Nürnberg meilenweit entfernt. In Fürth fand dann eine gezielte Innenstadtentwicklung statt. Die neue Mitte ist sehr gelungen. Die Schwabacher Straße noch nicht. Es ist nicht alles Gold was glänzt. Nürnberg hat zum Vergleich eine viel größere Fußgängerzone als Fürth. Es gibt in Fürth kein Geschäft, das es in Nürnberg nicht auch gibt. Der Markt ist für die Größe Fürths schön. Er hat aber auch sehr viele Imbissstände und während der Kirchweih müssen alle Stände wieder weg. Nürnberg und Fürth kann man nicht vergleichen. Nürnberg muss auch einen anderen Anspruch an sein Innenstadtsortiment haben als Fürth.
Nxrnberg: Kann sich Nürnberg ein Vorbild an Fürth nehmen?
Heilmaier: Die Städte unterscheiden sich grundsätzlich. Fürth ist viel kleinteiliger und der Einzelhandel hat viel kleinere Flächen. Die Mieten sind deutlich niedriger als in Nürnberg. Deshalb können vom Inhaber geführte Geschäfte überleben. Wir fokussieren uns auch auf inhabergeführte Geschäfte. Uns gelingt das aber auch: Wurzelsepp, Emerson Renaldi, Küchen Lösch, Crämer & Co. Was Fürth gut gemacht hat, ist die individuelle Betreuung der Händler durch einen Innenstadtbeauftragten. Nürnberg hat aber auch einen Stab Innenstadt, der sich um Einzelhändler kümmert. Da gibt es Ansprechpartner. Von der Größe der Geschäfte her sind die beiden Städte nicht vergleichbar.
“Nürnberg ist nicht dabei”
Nxrnberg: Es hält sich hartnäckig das Gerücht, dass Galeria an der Lorenzkirche geschlossen wird. Stimmt das? Nicht immer laufen alle Rolltreppen, was für ein Kaufhaus ein schlechtes Zeichen ist. Angeblich waren schon die neuen Investoren in Nürnberg und haben abgeklopft, was an Nutzung möglich ist.
Heilmaier: Es gibt Galeria-Immobilien in Bayern, die geschlossen werden müssen. Da ist Nürnberg nicht dabei. Der ehemalige Karstadt an der Lorenzkirche gilt immer noch als topp Standort. Was mit Galeria in Gänze passiert, das wissen wir alle nicht. Es ist nicht schön. Bis Jahresende ist Ruhe, dann kann es sein, dass das Thema wieder hochkommt. Was wir tun können, um die Filiale zu unterstützen, machen wir. Wenn wir bei den besten dabeibleiben, dann sind wir von einer Schließung weit weg. Wenn es aber kein Galeria mehr gibt, dann stellt sich die Frage, wie nutzt man eine solche Immobilie um. Wir sind im ständigen Austausch mit den Vermietern. Die Erdgeschosslage und der erste Stock sind klassische Einzelhandelslagen. Die Herausforderung ist, wenn es soweit kommen sollte, was macht man mit den oberen Etagen. Büros, Praxen, Wohnen. Immer das Gleiche. Man muss aber das Gebäude ertüchtigen. Das Interesse an Nürnberg ist groß.
Die Zukunft des ehemaligen Kaufhofs bleibt offen
Nxrnberg: Wie geht es mit dem ehemaligen Kaufhof weiter, den die Stadt gekauft hat? Am Ende des Jahres wird die Technische Universität Nürnberg ihre Anlaufstelle aufgeben, weil Geld und Personal fehlen.
Heilmaier: Am 17. September macht Faber-Castell einen Pop-up-Store als Teil der Zwischennutzung auf. Da ist die Nachfrage da. Da gehen Firmen rein, wenn andere rausgehen. Wir bekommen Mitte September die ersten Kaufangebote und Vorschläge von den verbliebenen Bietern. Zunächst waren es neun Interessenten. Diese mussten in den vergangenen Monaten zeigen, wie sie den City-Point und die städtische Umgebung einbinden, ob sie die Kriterien der Stadt erfüllen und was sie mit dem neuen Herz der Innenstadt vorhaben. Es gab auch Kolloquien, wo Fragen gestellt werden konnten. Dieser Prozess wird mit sechs Interessenten fortgesetzt.
Nxrnberg: Ist es bis zum Ende des Jahres spruchreif, was mit dem ehemaligen Kaufhof geschieht?
Heilmaier: Ich hoffe es. Das Verfahren ist sehr formalistisch und deshalb gibt es immer wieder Verzögerungen.
Nxrnberg: Wie ist das Wirtschaftsreferat von der Haushaltssperre betroffen?
Heilmaier: Wir haben bis auf die Dächer vom Großmarkt fast keine Bauprojekte. Wir müssen aber auch bei unseren freiwilligen Leistungen sparen. Zum Beispiel die Gründerzentren, die wir bezuschussen. Alles, was nicht zwingend notwendig ist, steht auf dem Prüfstand.
Nürnberg schwitzt. Klimaanlagen sind die schnelle, aber zu einfache Antwort. Die Stadt braucht kühlere Gebäude, mehr Schatten, weniger versiegelte Flächen – und endlich mehr Tempo.