Heiß, heißer, Nürnberg pflastert weiter
Der Lorenzer Platz im ersten Sommer nach dem Umbau. | Foto: © Janine Beck
Nürnberg gibt Millionen aus, um seine Plätze umzugestalten – und produziert dabei Steinwüsten, schiefe Pflanzkübel und Mülleimer als Blickfang. Was in Frankreich und Italien selbstverständlich gelingt, bleibt in Nürnberg ein hartnäckiges Problem: Plätze zu schaffen, auf denen Menschen wirklich gerne sitzen.
Was einen guten Platz ausmacht – und warum es in Nürnberg nicht gelingt
Plätze sind ein hohes Gut, vor allem in historisch geprägten Städten. Da entscheiden auch viele Kleinigkeiten darüber, wie Plätze angenommen und wahrgenommen werden. Sie sind ausschlaggebend, ob man sich in einer Stadt wohlfühlt oder nicht. Auf Plätzen begegnen sich Menschen, trinken einen Kaffee und tauschen sich aus. Oder aber sie schauen einfach dem Leben zu.
Frankreich und Italien sind hier Vorbilder. Da muss man gar nicht an die Klassiker wie Siena oder Paris denken. Auch kleiner Städte wie Vigevano in der Lombardei können mit einem Platz glänzen und einen locker machen. Nürnberg tut sich dagegen „steinschwer“. Es will einfach nicht gelingen, eine lockere Platzatmosphäre mit alten und neuen Steinen zu schaffen, auch wenn viel Geld eingesetzt wird.
Der Lorenzer Platz in Nürnberg mit Blick auf den Chor der Lorenzkirche. Im Vordergrund ein interaktives Wasserspiel. | Foto: © Janine Beck
Fast 3,5 Millionen Euro hat die Umgestaltung des Lorenzer Platzes gekostet. Die Arbeiten dauerten lange und es bleibt die Hoffnung, dass nicht wieder ein Kabel verlegt werden muss und das Pflaster aufgerissen und schlampig verfugt wird.
Doch zu den Details. Positiv ist, dass an Bäume gedacht wurde. Allerdings müssen sie offenbar mit einer Holzkonstruktion geschützt werden, damit die neuen Pflanzungen nicht zerstört werden. Schade, denn die Holzkonstruktionen erinnern an eine Koppel, an der die Pferde nach einem langen Ausritt festgemacht werden. Es ist müßig darüber zu reflektieren, warum in Nürnberg alles massiv geschützt werden muss, damit es nicht kaputt gemacht wird. Am Ende wird die Koppelkonstruktion nichts nützen, wie überall auf dem Stadtgebiet zu besichtigen ist. Eine einfachere Konstruktion aus Eisen wäre viel besser gewesen.
Auch die Sitzgelegenheiten sind nicht gelungen. Sie sollen ebenfalls die Bepflanzungen absichern, deshalb sind sie leicht gebogen angeordnet. Wenn Menschen nebeneinandersitzen, dann sprechen sie in gegensätzlichen Richtungen. Durch die Versiegelung des Platzes mit Pflastersteinen dürfte es im Sommer auf dem Lorenzer Platz sehr heiß werden. Die Besucher können selbstverständlich einen Eimer mit kaltem Wasser mitbringen, um die Füße bei Hitze zu kühlen. Der kleine Brunnen mit einem Wasserspiel sollte aber den Kindern vorbehalten bleiben.
Obstmarkt: Das ewige Versprechen
Dass dem Obstmarkt noch Jahre bevorstehen, bis er wieder ein Platz ist, ist zu bedauern. Zu hoffen ist nur, dass es gut wird und am Ende doch schneller geht. Die CSU und SPD haben im Wahlkampf versprochen, dass sie sich mit allen Beteiligten zusammensetzen wollen, um auszuloten, wie es schneller geht.
Ludwigsplatz: Mülleimer-Sightseeing vor Wöhrl
Der Ludwigsplatz, der zu einer Steinwüste umgebaut wurde, ist leider kein Vorbild. Zunächst wurden die Bäume vergessen und der Platz wurde wieder aufgerissen, um Bäume zu pflanzen. Der Platz am Weißen Turm ist ein Beispiel für Murphys Law: was schief gehen kann, das geht schief.
Nachdem die Bäume untergebracht waren, mussten auch noch Mülleimer installiert werden. Anstatt sie neben die Bänke zu stellen, wurde sie mittig zwischen die Sitzgruppen platziert, als ob sich Menschen zum Mülleimer-Sightseeing treffen wollen. Dass direkt vor dem Haupteingang zum Wöhrl am Weißen Turm ein riesiger Mülleimer auf der Mittelachse zentral hingestellt wurde, ist zum Weinen.
Der Ludwigsplatz mit Mülleimer direkt vor dem Wöhrl-Eingang. | Foto: © Janine Beck
Früher wurden auf derartigen Stellen Denkmäler oder Skulpturen errichtet. Wir stellen Mülleimer hin. Dass Wöhrl das hingenommen hat, ist kaum zu glauben. „Komm, wir gehen einkaufen, bei Wöhrl stehen die Mülleimer so schön", so viel Masochismus gibt es auch bei Einkaufsfans nicht.
Ein ästhetisches Bewusstsein ist beim städtischen Servicebetrieb öffentlicher Raum, der den Platz gestaltet hat, nicht vorhanden. Da sollten Schulungen durchgeführt werden. Es muss doch die Platzwahl von Mülleimern nicht auch noch im Stadtrat erfolgen. Oder doch? Nürnberg ist eine Touristenstadt, da braucht es Sensibilität. Wie oft muss man darauf noch hinweisen.
Hauptmarkt: schiefe Kübel und 20 Jahre Diskussion
Nach den bislang erzielten Ergebnissen kann man für den Hauptmarkt nicht optimistisch sein. Die mobilen Bäume auf der Westseite des Platzes stehen in Pflanzkübeln noch immer beschwipst in einer zittrigen Linie. Der Versuch mittels kleiner Plättchen die Pflanztröge in die Waage zu bekommen, ist noch immer nicht geglückt. Diese Bastelei sieht in der guten Stube Nürnbergs dilettantisch aus.
Jetzt sollen fünf richtig gepflanzte Bäume an der Ostseite des Hauptmarkts hinzukommen. Hoffentlich wird es professionell zu Ende gebracht und die Verhunzung des Hauptmarkts findet keine Fortsetzung. Selbst eine Kleingartenkolonie hat klare Regelungen, was geht und was nicht geht. Beim Hauptmarkt bleibt die Stadt Nürnberg beliebig.
Angesichts vieler Events und Großveranstaltungen wie dem Christkindlesmarkt braucht der Hauptmarkt ein neues Konzept. Es kann nicht sein, dass die Marktstände ständig umziehen und potenzielle Kunden gar nicht mehr wissen, wo ihr Stand steht. Selbst Fürth hat es geschafft, seinen grünen Markt zu ordnen. Die Diskussion, wie man es besser machen kann, läuft im Übrigen seit 20 Jahren.
Nürnberg gilt als Deutschlands Schlusslicht bei Parks und Grünanlagen. Eine Analyse zeigt, wie Flächenstatistiken verzerren, warum der Reichswald fehlt und was das politisch so wirksam macht.