Ein Palast voller Möglichkeiten
Königstraße: Das Tor in die Innenstadt. Der Kaufhof steht seit circa einem Jahr leer. | Foto: © Janine Beck
Kaufhof: Ein Denkmal in der Warteschleife
Seit rund einem Jahr steht der Kaufhof in der Nürnberger Königstraße leer. Es handelt sich um das Tor vom Bahnhof in die Innenstadt. Zwölf Monate sind keine lange Zeit bei der Suche nach einer neuen Nutzung einer so großen Immobilie.
Zum Vergleich: Beim ehemaligen Quelle-Versandzentrum in der Fürther Straße dauerte es über fünf Jahre, bis sich ein Immobilienentwickler herangetraut hat. Nach einigen Jahren scheiterte die portugiesische Firma Sonae Sierra, weil sich kein weiterer Investor fand. Nach zwölf Jahren Leerstand können jetzt im nächsten Jahr wohl die ersten Mieter in das ehemalige Quelle-Herz einziehen.
Während das Quelle-Areal das Zentrum Nürnbergs nicht beeinträchtigt und es keine Rolle spielt, ob die Bauarbeiten 2026 oder 2028 abgeschlossen sind, hat der Kaufhof eine ganz andere Bedeutung. Das Gebäude wurde nach der fast kompletten Zerstörung der Altstadt im Zweiten Weltkrieg 1950 neu gebaut und steht inzwischen als ein „höchst anschauliches“ Bauwerk für das Wirtschaftswunder unter Denkmalschutz. Allerdings war von dem Wirtschaftswunder fünf Jahre nach Kriegsende noch kaum etwas zu sehen. Das kam erst einige Jahre später.
Architektur als Spiegel des Aufschwungs. | Foto: © Janine Beck
Abriss oder Neuanfang?
Der Kaufhof war ein Zeichen der Hoffnung, dass es besser wird. Er steht für einen Anfang. Der Kaufhof war ein modernes Kaufhaus mit richtigen Fenstern, aus denen die Kunden noch hinausschauen konnten und mit einer der schönsten Treppen in der Innenstadt. Jeder, der die Treppe hinunterstieg, fühlte sich eine wenig wie in einem Kaufhauspalast. Der Kaufhof, ein Beispiel für Transparenz und filigranen Stil der fünfziger Jahre. Natürlich wurde vor einem Jahr mit der Schließung des Kaufhofs sofort der Abriss des Bauwerks gefordert.
Der Verein Altstadtfreunde machte sich für eine Rekonstruktion der zerstörten Bebauung stark. Ministerpräsident Markus Söder sprach sich ebenfalls für einen Abriss aus.
Doch durch den Denkmalschutz geht das nicht ganz so einfach. Auch dann muss man erst einmal einen Investor haben. Der Abriss des Kaufhofs am Aufseßplatz, der zu einer jahrelangen Hängepartie wurde, ist gerade kein Vorbild für die Entwicklung des Kaufhofs in der Königstraße. Auch zehn Jahre nach der Schließung glänzt der Aufseßplatz nur mit einer Baugrube und vielen Versprechungen.
Viele Versprechungen, keine Taten am Aufseßplatz. | Quelle: © Google Earth
Wissenschaft statt Shopping?
Doch es gibt auch Überlegungen für eine weitere Nutzung. Nachdem einige der geplanten Gebäude für die neue Technische Universität Nürnberg (UTN) nicht rechtzeitig fertig werden, würde der Kaufhof als längerfristiges Interimsgebäude (vielleicht sogar auf Dauer?) gut passen. Im Gespräch für die UTN ist noch der Nordostpark. Es sind auch andere Hochschuleinrichtungen als mögliche Nutzer im Gespräch. Wissenschaft in die Mitte der Stadt anzusiedeln, wäre sicherlich ein Gewinn für alle. Es geht eben nicht nur um Einkaufen in einer Gesellschaft.
Die CSU im Stadtrat hat jetzt den Vorschlag gemacht, den Kaufhof für die Stadt zu erwerben. Nutznießer könnte die Nürnberg Messe sein, sie sucht schon sehr lange nach einem Veranstaltungsort für Tagungen und kleine Messen. Veranstaltungen mit 500 bis 1000 Teilnehmern tun sich in Nürnberg schwer, unterzukommen, weil es dafür keine Räume gibt. Auch das ehemalige Quelle-Versandzentrum und die Meistersingerhalle waren als kleinerer Messe-Standort schon einmal im Gespräch. Zuletzt, die Verhandlungen waren schon sehr weit gediehen, sollte der Messe-Mini-Standort im neuen Stadion untergebracht werden. Geht die Messe in den Kaufhof, dann müssen die Stadionmacher einen neuen solventen Mieter suchen.
Die Stadt als Immobilienentwickler
Dass die Stadt den Kaufhof kaufen will und damit als Immobilienentwickler auftritt, ist eine richtige Überlegung. Zumindest so lange es einen fairen Kaufpreis gibt und die Stadt das Know-how hat. Die Insolvenzverwalter wollen offenbar zwischen 30 und 50 Millionen Euro haben. Bei 30 Millionen Euro für 15.000 Quadratmeter Verkaufsfläche muss die Stadt in jedem Fall zuschlagen. Das Haus ist in einem sehr guten Zustand, es hat einen direkten U-Bahnzugang und über die Einstufung als Denkmal kann sehr viel steuerlich abgeschrieben werden.
Erinnert sei nur an das Desaster mit dem ehemaligen Quelle-Versandzentrum, das am Ende für 16,8 Millionen Euro an die Gerchgroup verkauft wurde. Ein Schnäppchen für 6,8 Hektar und 250.000 Quadratmeter Fläche. Doch die Gerchgroup schaffte es, auch bei solchen günstigen Konditionen eine Insolvenz hinzulegen. Dabei hatte der Immobilienentwickler die Stadt als Ankermieter mit einem sehr lukrativen Mietvertrag schon sicher. Allein das Sozial- und Jugendamt, das in die ehemalige Quelle einziehen wird, zahlt so viel Miete, dass man nach und nach das gesamte Gebäude hätte umbauen können. Eine vor zehn Jahren verzagte Stadtspitze hat dies Art von Stadtentwicklung verschlafen.
Aufseßplatz und Quelle-Areal: Die Stadt muss es beim Kaufhof in der Innenstadt jetzt besser machen. Da braucht es ein ideenreiches Konzept, das sich finanzielle trägt. Der Standort ist megagut.
Die Suche nach echter Belebung der Innenstadt. | Fotos: © Janine Beck
Bislang sind aber aus dem Wirtschaftsrathaus nur kosmetische Vorschläge zu hören. Es sollen vor dem Kaufhof Verkaufsstände Platz bekommen, um eine Belebung vorzutäuschen. Vielleicht wird ja wieder die Eisbahn aufgebaut. So eine Fake-Wirklichkeit genügt aber nicht. Auch sollte noch einmal intensiv über den Messe-Standort nachgedacht werden, ob der Kaufhof die richtige Option wäre. Mit dem Auto oder mit Lieferwägen ist er nicht oder nur schwer ansteuerbar. So eine richtige Belebung für die Innenstadt ist ein Tagungsort aber auch nicht. Dagegen kommen Studierende überwiegend mit dem Rad oder mit dem ÖPNV. Ein belebendes Element sind sie schon von Haus aus.