Nürnbergs neuer Stadtrat, offene Machtfragen und krumme Baumtröge

 
Baumtrog mit Sitzbank auf dem Nürnberger Hauptmarkt vor Altstadtkulisse.

Schattenspender für den Hauptmarkt. Kritisiert wird weniger die Idee als ihre handwerkliche und gestalterische Ausführung. | Foto: © Janine Beck

Der neue Nürnberger Stadtrat ist gewählt, doch die eigentlichen Machtfragen folgen erst jetzt. Wer die Bürgermeister stellt, wie CSU, SPD und Grüne das Rathaus neu ordnen – und warum sich politische Qualität nicht nur in Verhandlungen, sondern auch am Hauptmarkt zeigt.

 
 

Noch ist in der Stadtspitze nichts entschieden

Der neue Stadtrat ist zwar für die nächsten sechs Jahre gewählt, aber, auch wenn ab Sonntag, 22. März 2026, die Entscheidung über das Amt des Oberbürgermeisters gefallen ist, über die Auswahl der Bürgermeister, das sind die Vertreter des Oberbürgermeisters, wurde noch nicht entschieden. Die zwei Bürgermeister oder Bürgermeisterinnen bestimmt der Stadtrat und nicht der Wähler.

Wer Anspruch auf das zweite Bürgermeisteramt erhebt

Ab 24. März sollen die Verhandlungen zwischen CSU, SPD und Grünen losgehen. Die stärkste Partei, daran gibt es auch nichts mehr zu rütteln, bleibt die CSU. Sie wird den einen Bürgermeister bestimmen können und das ist sehr wahrscheinlich der bisherige Fraktionsvorsitzende Andreas Krieglstein, der seit 2020 die CSU-Fraktion im Stadtrat führt.

Die bisherige Bürgermeisterin, Julia Lehner, hört aus Altersgründen auf. Umkämpft dürfte das Amt des zweiten Bürgermeisters oder der Bürgermeisterin sein, der bislang Christian Vogel von der SPD war und der aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr zur Kommunalwahl antrat.

Wenn die bisherigen Gepflogenheiten weiter gelten, dann müssten er oder sie wieder von der SPD kommen, weil sie die zweitstärkste Fraktion ist. Allerdings werden auch die Grünen den Posten beanspruchen, wenn sie in eine feste Koalition mit der CSU treten. Sie wollen ein größeres Stück von der Stadtspitze haben, wenn sie die Schwarzen unterstützen.

Wie CSU, SPD und Grüne die Referate ordnen

Denkbar ist deshalb auch, dass die Grünen vielleicht ein weiteres, kleineres Referat neben dem Umweltreferat bekommen, wenn die SPD den Bürgermeister stellt.

Derzeit steht noch nicht fest, wie viele Referate in den nächsten zwei Jahren zu besetzen sind, weil sich die Parteien noch nicht geeinigt haben, wie die neuen Zuschnitte der Referate aussehen und wie die Interimsbaureferentin Christa Heckel innerhalb der Rathausspitze parteipolitisch gezählt wird: In den vergangenen zwölf Jahren durfte bislang die SPD den Baureferenten vorschlagen.

Der scheidende Baureferent Daniel Ulrich hatte aber kein Parteibuch. Er war parteilos. Seine Nachfolgerin Christa Heckel hat eines von den Grünen und sitzt auch im Kreistag für die Partei. Sollte Marcus König Oberbürgermeister bleiben, dann will er aber bei wichtigen Fragen im Baureferat mitreden. Wird es ein Mobilitätsreferat oder ein Gesundheitsreferat geben? Alles offen.

Blick über den Nürnberger Hauptmarkt mit Marktständen und der Frauenkirche unter blauem Himmel.

Nürnberg ist eine Touristenstadt und der Hauptmarkt ihr Herzstück. Bei der behutsamen Weiterentwicklung und Ästhetik des Platzes hakt es noch. | Foto: © Janine Beck

Der Hauptmarkt als Schaufenster der Stadt

Die Verwaltung arbeitet auch während der Stichwahl weiter und hat Bäume in Metallbehältern auf der Westseite des Hauptmarkts aufgestellt. Die Bäume sind etwas dünn, aber sie werden, wenn sie gut gepflegt werden, sicherlich einmal Schatten spenden. Allerdings ist es ein Graus wie die Pflanztröge aufgestellt werden: Der Boden des Hauptmarkts ist leicht gekrümmt und deshalb müssen die Behältnisse in die Waage gestellt werden.

Baumtrog mit Sitzbank auf dem Nürnberger Hauptmarkt vor der ältesten Buchhandlung Deutschlands.

Ein provisorischer Pflanztrog mit integrierter Sitzbank vor der Buchhandlung Korn & Berg auf dem Hauptmarkt. | Foto: © Janine Beck

Schattenspender im Zustand des Provisoriums

Sie stehen jedoch leicht krumm und der Ausgleich mit Unterlagen ist der reine Pfusch. Mal ein braunes Plättchen, mal ein schwarzes, mal ein graues. Farblich passt das gar nicht zusammen. Jeder Schreiner kann das besser, aber nicht die städtischen Mitarbeiter.

So stehen die Baumtröge leicht beschwipst auf dem Hauptmarkt und laden in der Nacht ein, sie als Naturtoilette zu nutzen. Sie schwanken doch schon, ein schönes Ambiente.

Kann denn nicht einmal das Aufstellen von Bäumen als Schattenspender ästhetisch gelingen! WIR SIND EINE TOURISTENSTADT. Wie oft muss man das noch schreiben. Selbst Fürth gelingt es, einen vorbildlich aussehenden Grünen Markt aufzustellen.

Wir sind gespannt, ob das mit neuen Bürgermeistern besser wird. Die behutsame Weiterentwicklung der Altstadt muss besser werden. Hier wird von städtischen Handwerkern mehr Fingerspitzengefühl erwartet.

Kleine Bäume am Rand der Wölckernstraße in Nürnberg.

Erinnern an Kafkas Hungerkünstler: Die kargen, kaum sichtbaren Bäume in der Wölckernstraße verschönern das Straßenbild kaum. | Foto: © Janine Beck

Die Wölckernstraße als Dauerärgernis

Straßenansicht der Wölckernstraße in Nürnberg mit Baumtrog am Fahrbahnrand.

Wie es nicht geht, lässt sich in der Wölckernstraße ansehen. Dort hat man es auch nach drei Jahren noch nicht geschafft, die Pflanztröge für Bäume optisch nicht störend aufzustellen. Sie erinnern an Franz Kafkas Hungerkünstler. Eine Verschönerung und Aufwertung der Straße ist das nicht.

Wir sind gespannt, wie viele Bäume überleben und zu einem besseren Klima beitragen. Es drängt sich der Verdacht auf, dass es reine Alibi-Bäume sind. Zumindest in der Wölckernstraße.

Beraterflut im neuen Stadtrat

Wer sich einmal die Berufe der 70 Stadträte in Nürnberg anschaut, der muss leider erkennen, dass zu wenig Handwerksberufe in das Gremium gewählt wurden. Vielleicht waren auch gar nicht mehr aufgestellt. Wäre es anders, dann könnte die Stadt von Sachverstand profitieren. Ein ehemaliger Werkzeugmacher, ein Metzger, ein Bio-Imker, ein Elektriker, ein Stuckateur und ein Orthopädiemechaniker sind zu wenig.

Es gibt zum Glück auch nicht zu viele Beamte, Lehrer und Juristen. Das hält sich in Grenzen. Aber es gibt etliche aus dem Niemandsland des Wissens, die alles besser wissen: Strategieberater, Studierende, Innovations- und Wissensmanager, Politikberater, Kundenberater.

Unternehmer findet sich keiner mehr. Es lassen sich zwei vermuten, die haben sich hinter anderen Berufsbezeichnungen gut versteckt. Der neue Stadtrat sollte sich jedenfalls nicht auf künstliche Intelligenz verlassen, sondern nur auf Sachverstand. Krumme Pflanztröge werden durch KI nicht gerade.

 

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Wahlanalyse: Wie Nürnberg nach der Stadtratswahl regiert werden könnte